OSTKREUZ I · Portrait eines Bahnhofs · 2005 – 2007 

Regie: Laura Geiger & Tom Kretschmer, Kamera: Tom Kretschmer, Buch: Laura Geiger, Schnitt: Laura Geiger & Tom Kretschmer, Sound: Peter Nikolai & Marcus Rose, Produktion: edition impasto

Geliebt und gehasst zugleich war der Berliner Bahnhof Ostkreuz 2006 ein großes Dauer-Provisorium – „Rostkreuz“ genannt. Mit Teerpappedächern, ausgetretenen Stufen, 100 Jahre alten Brücken und Technik aus den 1920er Jahren erinnerte er eher an ein lebendiges Freiluftmuseum als an den verkehrsreichsten S-Bahn-Knotenpunkt Deutschlands. Ohne Aufzüge und Rolltreppen, dafür mit viel Patina und improvisiertem Charme.

Aus über 72 Stunden Filmmaterial entstand dieses CinePoem: ein sinnliches Portrait aus Architektur, Jahreszeiten, Menschen und originalen Klängen des alten Ostkreuz – dem Klacken der großen Uhr, dem mechanischen Umblättern der Anzeigetafeln und der live-on-air Abfertigung der Züge.

Der Film spürt der besonderen Atmosphäre nach und deutet den bevorstehenden Verlust von Eigenart, sozialen Beziehungen und gewachsenen Strukturen an. Eine Gratwanderung zwischen notwendiger Modernisierung und der Bewahrung eines einzigartigen Stücks Berliner Zeitgeschichte.

OSTKREUZ II · Gesichter eines Bahnhofs · 2026

Regie: Laura Geiger & Tom Kretschmer, Kamera: Tom Kretschmer, Buch: Laura Geiger, Schnitt: Laura Geiger & Tom Kretschmer, Sound: Martin Krause, Produktion: edition impasto

Karsten sitzt nachts an seinem Obststand auf Bahnsteig F, das Radio dudelt leise. Gelegentlich wird gequatscht, manchmal auch gefeiert – mit dem Bahnhofspersonal vergeht die Nacht schneller. „Da kommt meine Schnecke, meine erste Kundin…“, sagt er, als die erste Stammkundin auftaucht. Man kennt sich seit Jahren.

Dieser Film zeigt die Menschen, die dem Ostkreuz seine Seele gaben: Obstverkäufer Karsten, Toilettenfrau Erna, Ticketverkäufer Pepe, die Bahnhofsaufsicht in ihrem anachronistischen Häuschen und viele andere. Sie arbeiteten unter einfachen, oft harten Bedingungen – und doch mit viel Herz, Humor und direkter Beziehung zu ihrer Stammkundschaft.

Zwanzig Jahre später neu gesichtet und montiert, wird deutlich, wie sehr sich die Welt in dieser kurzen Zeit verändert hat. Eine ehrliche, warme und melancholische Stadtgeschichte aus einer Zeit, als Warten noch ohne Smartphone geschah und der Kiez ums Ostkreuz noch anders tickte.